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Ringparabel & Religion in Regensburg

Theaterfahrten sind unter den Comenianern immer wieder heiß begehrt - was sich am Nachmittag bzw. Abend des 24. Oktobers erneut deutlich äußerte: 97 Schülerinnen und Schüler füllten zusammen mit OStRin Patrizia Gillner, OStRin Monika Gollor und StD Jürgen Weng an diesem Dienstag gegen 16:30 die zwei Busse, die sich nur wenige Momente später auf den Weg nach Regensburg machten.
Organisiert wurde die Theaterfahrt von drei SchülerInnen des P-Seminars „Theater“: Melanie Tschernov, Jonas Gruber und Nico Schwarzbauer (alle Q12) hatten in den vergangenen Wochen einiges an Engagement an den Tag gelegt, um den Abend für die gewaltige Gruppe von insg. 100(!) Leuten auf die Beine zu stellen. Das Theaterstück des Abends, das den spannenden Titel „I'm afraid of what you do in the name of your god" trägt, wird derzeit vom Jungen Theater auf die Bühne gebracht und setzt sich mit einem gesellschaftlichen Dauerkonflikt auseinander: Religion.
Besonders die ewige Diskussion zwischen den drei Weltreligionen, -Christentum, Islam und Judentum- macht es dem Individuum fast unmöglich, sich der Frage nach dem Glauben zu entziehen - selbst, wenn man an nichts glaubt.
Dass die Menschen sich in ihrer Geschichte schon immer mit diesem Problem konfrontiert sahen, zeigt sich auch in Lessings Werk „Nathan der Weise", das an religiöse Toleranz appelliert und in dem die sog. Ringparabel eine wichtige Rolle spielt. Genau diese berühmte, metaphorische Erzählung der Hauptperson Nathan galt dem Theaterstück als Basis.
Reduziert auf drei männliche Schauspieler wurde der Streit zwischen den drei Söhnen und deren Frage nach dem „wahren" von drei vererbten Ringen als Einleitung des Stückes genutzt. Als Kulisse fungierte lediglich ein großer Kreis aus alten Büchern, der während der Aufführung auf verschiedenste Arten demoliert und für die Thematik gebraucht wurde.
Im weiteren Verlauf des Stückes wurde die Problematik durch Sprünge zwischen Realität, Parabel und selbstverfasster Fiktion deutlich gemacht.
Dazu zählte zum einen der interreligiöse Dialog zwischen den drei Darstellern als Vertreter von Islam, Christentum und Judentum. Die Protagonisten sahen sich zunehmend vor einen unlösbar scheinenden Entscheidungskonflikt gestellt; schwankten dabei unberechenbar zwischen Streit und Verständnis, suchten nach rationalen Definitionen und zitierten in ihrer Verzweiflung Kant und Co., um sich auf der Suche nach dem wahren Gott zu orientieren („Kann ich von dir verlangen, dass du deine Vorfahren Lügen strafst, um meinen nicht zu widersprechen?" - Nathan) Zum anderen wurde durch die Darstellung einer Art „Castingshow", bei der die neue „Superreligion" gesucht wurde, das Thema in ein lächerlich angehauchtes Licht gestellt.
Auch mit musikalischen Einlagen begeisterten die Darsteller, wie z.B. mit dem Song „I Ain't Afraid" von Holly Near, aus dessen Text auch der Titel des Stückes stammt.
Den absoluten Höhepunkt des Ganzen markierte die hitzig-dramatische Rede des Darstellers Marcel Klein. Mit seinen Worten vereinte er die Hingabe und Gewalt der radikalen Vertreter aller Weltreligionen in seiner Person, predigte von Terrorismus, aber auch dessen Ausmerzung; beklagte schreiend die Zerrissenheit des Menschen und verhöhnte im selben Atemzug ihre Einheit. Mit steigender Stimmfrequenz und Aggression in der Kehle spitzte sich die Radikalität der Rede zu, die sich zu einer Mischung aus Hasstirade und Heilskunde entwickelt hatte und die wie folgt endete:
„Wir sind das auserwählte Volk. Allahu akbar. Amen."
Das Ende der Rede ließ betretene Stille zurück. Das Stück zeigte nicht nur den Religionskonflikt in pluralistischer Gesellschaft auf, sondern rief auch ein Problem, eine Gefahr erschreckend echt in Erinnerung: Terrorismus; das Blutvergießen für den einzig wahren Gott.
Das vergleichsweise gute Ende, das im Zeichen von Erkenntnis und Toleranz stand, ließ den erschreckenden und aufwühlenden Effekt kaum abklingen.
Die einjährige Arbeit von Regisseuren und Darstellern hatte ein beeindruckendes Projekt auf die Bühne gebracht: Eine Mischung aus Fanatismus, Dramatik und Humor, die an einen verdrängten Konflikt erinnert und zum Nachdenken anreizt - was sich auch in der anschließenden Diskussionsrunde zwischen Darstellern und Zuschauern zeigte.
Alessandra Aue

Die Theaterfahrt nach Regensburg fand großen Anklang.

Die Organisatoren: Nico Schwarzbauer, Melanie Tschernov und Jonas Gruber.