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Geschichten über die vergangene Deggendorfer Bäderkultur

Die Klasse 7b des Comenius-Gymnasiums arbeitet anlässlich der Projekttage und im Rahmen des Deutschunterrichts zusammen mit ihrer Lehrerin Susanne Sikora an dem Buchprojekt „Erlebe Deggendorf im Wandel“, das von Geiger-Verlag unterstützt wird. Dabei verfassen die Schülerinnen und Schüler kurze sachliche Texte über ihre Heimatstadt und stellen in Wort und Bildern dar, wie sich Deggendorf im Lauf der Zeit gewandelt hat und was man heutzutage erleben kann. Bei der Recherche über die Stadt ist die Klasse auf die Homepage von Hans Feichtinger und seine Dokumentation über die Deggendorfer Freibäder gestoßen. Sofort hat sich der heute 81-Jährige, immer noch ambitionierter Deggendorfer Schwimmer und selbst ehemaliger Comenianer bereit erklärt, über die Geschichte der Freibäder in Deggendorf seit 1864 hautnah zu erzählen. Etwas aufgeregt war er schon, als er uns im Comenius besuchte und diesmal nicht auf der Schulbank hinten drin sitzen sollte, sondern den interessierten und faszinierten Siebtklässlern vom Baden und Schwimmen aus der vergangenen Zeit erzählen durfte.
Wir erfahren, dass die erste „Badehütte“, eine Holzhütte, die zum An- und Auskleiden diente, 1859 am Bogenbach gebaut wurde. Die erste Städtische Schwimm- und Badeanstalt, die sich ebenfalls am Bogenbach befand, ist am 8. August 1874 errichtet worden. Zu dieser Zeit legte man noch äußersten Wert auf Sittlichkeit, sodass den Mädchen und Frauen, der Besuch des Freibades nur von den Männern getrennt und wohl gemerkt auch nur von zwei bis drei Uhr nachmittags gestattet war. Feichtinger erzählt auch, dass später daneben sogar eine eigene Frauenbadeanstalt aufmachte. Bei diesem ersten Freibad handelte es sich auch um eine Schwimmschule. Der Schwimmunterricht kostete damals 15 Pfennige und wurde vom Schwimm-Meister durchgeführt, der eine Art Galgen benutzte, um die Schwimmschüler, die einen Bauchgurt umgebunden trugen, ins Wasser zu lassen, damit sie gefahrlos erste Schwimmbewegungen ausprobieren konnten. Die Badeanstalt am Bogenbach, der zu dieser Zeit mitten durch die Stadt führte, musste schließlich aufgrund der Bachregulierung weichen und es wurde 1899 ein schwimmendes Badefloss an der Donau gebaut. Eine neue Badeanstalt, die als die schönste in ganz Bayern galt, ist schließlich 1924 an der Donau entstanden, nachdem das Badefloß 1916 infolge eines starken Weststurms zerstört worden und unterhalb von Halbmeile auf einer Sandbank gestrandet ist.
Im Stadtpark gab es früher außerdem noch ein Bad, das zur damaligen Heil- und Pflegeanstalt gehörte und ein weiteres Naturbad am Bogenbach, ungefähr auf der Höhe des heutigen Eisstadions, wo Hans Feichtinger als kleiner Bub zusammen mit Freunden, Fröschen, Blutegeln und anderem Getier seinen Spaß hatte. Als die Heil-und Pflegeanstalt geschlossen und schließlich zu einer Kaserne umgebaut wurde, entstand hier das Freibad der Reichswehr, das der übrigen Bevölkerung zunächst nicht zugänglich war. Erst nach dem Umbau 1957 wurde es für alle freigegeben, das Baden am Bogenbach war von da an nicht mehr erlaubt.
1975 bekam das Freibad im Stadtpark dann eine Wärmehalle und auch das Wasser im Sportbecken konnte beheizt werden. Dort tummelte sich die Deggendorfer Jugend an jedem schönen Sommertag zu Hauf und auch die umliegenden Schulen nutzten das Freibad für den Schwimmunterricht und für unvergessliche Schwimmfeste. Am 30. September 2003 fand im idyllischen Stadtpark leider der letzte Badetag statt. Heutzutage gibt es direkt in Deggendorf kein Freibad mehr, zum Schwimmen und Plantschen fahren die Deggendorfer ins Freizeit- und Erlebnisbad elypso in Natternberg, dessen namengebende elyptische Kuppel sich am Fuße des Bayerischen Waldes vor den Toren Deggendorfs aus der Ebene wölbt.
Mit vielen neuen und interessanten Informationen über die vergangene Badekultur und die historischen Freibäder Deggendorfs aus den lebendigen Erzählungen von Hans Feichtinger setzt sich die Arbeit der Klasse 7b am Buch „Erlebe Deggendorf im Wandel“ jetzt und im nächsten Schuljahr fort. Über weitere Anregungen zum Buch „Erlebe Deggendorf im Wandel“ aus dem Leserkreis würde sich die Klasse sehr freuen. Ideen oder alte Fotos können gerne direkt an das Gymnasium geschickt werden.

Die Klasse 7b mit Hans Feichtinger.