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Alpenüberquerung – eine Herausforderung für Körper und Geist

Stolz über ihre Leistung kehrten die zehn Schülerinnen und Schüler des P-Seminars des Comenius-Gymnasiums „Alpenüberquerung 2017“, das sie zusammen mit einem P-Seminar eines befreundeten Gymnasiums aus Ingolstadt absolvierten, einen Tag vor Beginn der Sommerferien von einer Wanderung zurück, die sie sicherlich nie vergessen werden.
Um sich auf die körperliche Herausforderung einstellen zu können, wurden verschiedene Laufeinheiten absolviert, die im Deggendorfer „Zweibrückenlauf“ endeten. Die Runde über 4,2km musste viermal absolviert werden, sodass knapp 17km zusammenkamen. Die erste „Hürde“ war damit genommen. In einer Testwanderung eine Woche vor Beginn konnten bei hochsommerlichen Temperaturen die Wanderschuhe noch einmal eingelaufen werden.
Am Sonntag, den 23.7.17, um 6.00 Uhr fuhr der Zug bei bereits beginnendem Regen von Plattling nach München, wo sich die beiden Gruppen im Zug trafen. Am Bahnhof in Mittenwald, dem Ausgangspunkt der Unternehmung, sammelten sich alle 30! Teilnehmer zu einem Gruppenfoto.
Nach einer kurzen Aufwärmstrecke an der Isar entlang, ging es durch die eindrucksvolle „Gleirschklamm“ zum ersten Etappenziel, dem Solsteinhaus. Zum Glück blieb der vorhergesagte starke Regenfall zunächst aus.
Nach umfangreicher Verpflegung und einer ersten ungewohnten Übernachtung im Lager, empfing der nächste Tag die Gruppe mit leichtem Nieselregen und schlechter Sicht. Auf den Aufstieg zum ersten Übergang folgte ein längerer Abstieg ins Inntal nach Zirl, wo sich der Niederschlag deutlich verstärkte. Um die Kräfte zu schonen, sparte sich eine kleine Gruppe den Marsch an der Straße durch das wenig spannende Inntal mit dem Taxi.
Am Sendersbach entlang führte der Weg kerzengerade hoch zur Kemateralm, wo bei einem Apfelstrudel die ersten Wunden behandelt werden konnten. Nach weiteren 2 Stunden Aufstieg erreichten die Schüler erschöpft, aber glücklich das zweite Tagesziel, die Adolf Pichler Hütte. Ab und zu erlaubte das Wetter einen kurzen Blick auf die eindrucksvollen „Dolomiten Nordtirols“. Der dritte Tag begann mit leichtem Schneefall und einem eineinhalb stündigen Aufstieg auf das Seejöchl, das auf knapp 2500m den Übergang ins Stubaital markiert. Die kurze Rast auf der Starkenburger Hütte diente zwar der Stärkung, die feuchte Kleidung konnte aber nicht trocknen und so musste der Abstieg nach Neustift zügig fortgesetzt werden. Um die Etappe zu verkürzen, bestand wiederum die Möglichkeit, vom Talort aus mittels Großraumtaxi durch das Pinistal zur Karalm zu fahren. Die Gruppe derer, die die Beine etwas schonen wollten, wuchs, ob der schon langen Belastung etwas an. Von der Karalm aus erreichte die Gruppe nach kurzem Aufstieg das nächste Tagesziel, die Innsbrucker Hütte. Der am nächsten Tag geplante Aufstieg auf den „Habicht“ (3277m), den König des Stubaitals von der Hütte aus musste nach Beratung mit dem Hüttenwirt wetterbedingt leider abgesagt werden.
Leichter Schneefall begleitete den Abstieg am nächsten Morgen ins Gschnitztal, von wo der Weg vorbei am Wasserfall aufwärts zur Tribulaunhütte auf 2064m führt. Nach kurzer Rast mit bester Verpflegung begann der „Endspurt“ zum höchsten Punkt der Tour, dem Grenzsattel zu Italien, von dem aus es nur noch abwärts ging. Trotz großer Erschöpfung und auch ein paar Tränen, bissen sich die Schüler durch und hatten noch genügend Energie, um kurz in den See an der italienischen Tribulauhütte (2368m) zu springen, der kaum mehr als zehn Grad „warm“ war. Nach dem Abendessen und dem obligatorischen „Wattturnier“ fielen die „Alpenüberquerer“ ins Bett.
Der letzte Tag begrüßte uns mit strahlendem Wetter und herrlicher Aussicht. Nach dreistündigem Abstieg ins Pflerschtal beglückwünschte sich die Gruppe gegenseitig, bevor es in den Bus zur Rückfahrt ging. Abgekämpft, müde und dreckig aber stolz auf ihre Leistung kehrten die Schüler nach Deggendorf zurück, um am nächsten Tag in die verdienten Ferien zu gehen.
„Ich geh über die Alpen und wenn ich auf allen vieren kriechen muss!“ Eine Aussage einer Schülerin, die wie die meisten anderen auch irgendwann mit kleineren Blessuren zu kämpfen hatte. Der Satz zeigt, dass Schüler geistig und körperlich zu besonderen Leistungen in der Lage sind, wenn sie es wollen und ein wenig dazu angeleitet werden. In Zeiten, da die Bewegungsarmut in der Schule und im häuslichen Umfeld immer mehr zunimmt, wäre es wichtig, ihnen die Erfahrung von körperlichen Grenzen und dadurch erhöhtem Bewusstsein aufzuzeigen. Zusätzlich resultieren daraus positive Auswirkungen auf unsere Natur und Umwelt.
Kinder sind der Inbegriff von Bewegungsfreude. Dennoch sieht man kaum spielende Kinder im öffentlichen Raum, häufig jedoch bewegungslos vor dem Handy, Fernseher oder Computer sitzen. Oft wird den Kindern nicht einmal mehr ein kurzer Schulweg zugemutet, es entsteht der Eindruck, dass Eltern am liebsten mit dem Auto vor die Klassenzimmertüre fahren wollen, um ihnen den Weg zu ersparen. Kinder sollten sich wieder mehr bewegen, es muss ja nicht gleich eine Alpenüberquerung sein, aber „cool“ war es trotzdem!

Das P-Seminar bei der Aplenüberquerung.