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Musikalische Lesung für die Q 12

Wie soll man an etwas erinnern, was man selbst gar nicht erlebt hat, noch dazu, wenn auch die meisten Zeitzeugen schon verstorben sind?
Einen schönen und sehr einfühlsamen Weg hat Christoph Kujawa gefunden, der für die Q12 des Comenius-Gymnasiums sein Anne-Frank Projekt „Überleben im Hinterhaus“ präsentierte. Kujawa wählt für seine musikalischen Lesungen Gedichte aus der entsprechenden Zeit und vertont sie. In diesem Fall handelte es sich um lyrische Werke von Paul Celan, Wolfgang Borchert und Selma Meerbaum-Eisinger, die er mit Gitarrenbegleitung vortrug. Den für das Verständnis notwendigen Kontext schuf er, indem er Anne Frank in ausgewählten Textpassagen ihres Tagebuchs selbst zu Wort kommen ließ und diese mit eigenen Erläuterungen ergänzte.
Eindrucksvoll verknüpfte er dabei thematisch die Schilderung der Lebensumstände der Betroffenen mit der zeitgenössischen Lyrik, wie etwa dem Gedicht „Draußen“ von Wolfgang Borchert, sodass erzählerische und lyrische Darstellung einander ergänzten und beim Zuhörer einen dichten Gesamteindruck entstehen ließen. Nachdem Kujawa erst die äußeren Lebensbedingungen der Menschen im „Hinterhaus“ thematisiert hatte, ging er im weiteren Verlauf der Lesung zunehmend auf sehr persönliche Aspekte Anne Franks ein, wie etwa das Erleben der ersten Verliebtheit in einen Mitbewohner, wiederum gespiegelt in Gedichten Borcherts.
Anne Franks Tagebuch rangiert heute mit 30 Millionen verkauften Exemplaren weltweit auf Platz 30 der meistverkauften Bücher, jedoch steht sie exemplarisch für das Schicksal zahlloser Juden, die unter besonderen Umständen in irgendeinem „Hinterhaus“ in Notgemeinschaften ihr Dasein fristeten und in ständiger Angst vor der Entdeckung lebten. Ihnen sowie den drei allesamt zu früh verstorbenen Lyrikern will Christoph Kujawa mit seinem Literaturprogramm Aufmerksamkeit und Gehör verschaffen. Dies ist ihm auf eindrucksvolle Weise gelungen.

Christoph Kujawa begeisterte die Schülerinnen und Schüler der Q 12.