Begabtenförderung

Grundlage für die Begabtenförderung an der eigenen Schule sowie für die Tätigkeit als Kompetenzzentrum sind die "10 Thesen zur Begabtenförderung" bzw. das "Grundverständnis Begabtenförderung".

Thesen zum Grundverständnis von Begabungs- und Hochbegabungsförderung

  1. Begabungsförderung ist keine Sonderaufgabe, sondern die Kernaufgabe der Schule. Im Zentrum der schulischen Begabungsförderung stehen die Entdeckung und Entfaltung der individuellen Begabungsprofile und damit verbunden die Stärkung und Weiterentwicklung der individuellen Leistungsfähigkeit.
  2. Ein ganzheitlicher Bildungsansatz, in dem die individuellen Stärken, die fachlichen und sozialen Kompetenzen, die kreativen Lösungs- und Gestaltungsfähigkeiten und eine reflektierte Werteorientierung gezielt gefördert werden, ist die Grundlage für eine nachhaltige Leistungsfähigkeit und soziale bzw. gesellschaftliche Verantwortung.
  3. Die Begabung ist das komplexe Zusammenspiel von Intelligenz, unterschiedlichen Be-gabungsfaktoren, nichtkognitiven Persönlichkeitsmerkmalen und Umweltbedingungen. Die adäquate Förderung bzw. Berücksichtigung aller vier Bereiche entspricht einem wirkungsvollen und nachhaltigen Begabungsförderverständnis.
  4. Die Hochbegabung ist demnach die Interdependenz eines weit überdurchschnittlichen Leistungsvermögens gepaart mit ausgeprägten nicht-kognitiven Persönlichkeitsmerkmalen wie Leistungswille, Interesse, Arbeitsdisziplin, Selbstvertrauen und Selbststeuerungsfähigkeiten sowie co-kognitiven Fähigkeiten wie Mut, Energie, Sensibilität und Vision. Eine weit überdurchschnittliche Intelligenz stellt somit ein zwar zentrales Merkmal, aber nicht das alleinige Merkmal von Hochbegabung dar.
  5. Die Begabung- und Hochbegabungsentfaltung sind dynamisch. Sie entfalten und ent-wickeln sich bei angemessener Förderung. Sie können bei fehlender adäquater Förderung ihr Leistungspotenzial einbüßen. Deshalb ist Hochbegabung nicht immer gleichzusetzen mit schulischer Hochleistung.
  6. Eine personorientierte Begabungsförderung rückt die Lernenden mit ihren individuellen und sozialen Voraussetzungen und Potenzialen in den Mittelpunkt des schulischen Lernprozesses. Die Schülerinnen und Schüler werden mehr und mehr zu „Autoren“ ihrer Bildung, für die sie im Laufe des Lernprozesses immer größere Verantwortung übernehmen.
  7. Die Praxis einer personorientierten Begabungsförderung betont die Herausforderung durch hohe intellektuelle Leistungen, die systematische und gezielte Entwicklung nichtkognitiver und weiterer Begabungs- und Persönlichkeitsfaktoren sowie die Stärkung der co-kognitiven Fähigkeiten. Über die individuelle Förderung hinaus bezieht sie in besonderer Weise eine wertorientierte Reflexion, die Gestaltungsfähigkeit des Gelernten und die soziale Rückbindung der Leistungen im Sinne umfassender sozialer Verantwortung mit ein.
  8. Die Förderhaltung drückt sich in einem Bestreben der Anerkennung der Begabungen, einer bewussten Stärkenorientierung und einer Begleitung der Lernenden (fachliche Beratung, Coaching, Mentoring) aus. Sie unterstützt deren Eigenaktivität und Verantwortlichkeit.
  9. Die Hochbegabtenklassen sind Angebote für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler, aber auch für Schülerinnen und Schüler mit einem hohen Leistungspotenzial oder mit hoher Begabung und erkennbaren Begabungsschwerpunkten, die diese u. U. noch nicht adäquat in schulische Leistungen umsetzen können.
  10. Die acht Gymnasien mit Hochbegabtenklassen verfügen über langjährige Erfahrungen in Bezug auf das Erkennen und die Förderung hochbegabter und besonders begabter Schülerinnen und Schüler. Vielfach übertragen sie ihre Erkenntnisse und Erfahrungen, soweit möglich, bereits auch in die Regelklassen. Daher sind sie prädestiniert, entsprechende Förderkonzepte als Kompetenzzentren an andere Schulen in der Region weiterzugeben.