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Geschichte

  1. Vorgeschichte
  2. Die Gründung der Königlichen Realschule in Deggendorf am 01.09.1900
  3. Der Neubau von Realschule und Internat 1913
  4. Die Entwicklung der Realschule bis 1933
  5. Die Entwicklung der Realschule in der nationalsozialistischen Zeit (1933- 1945)
  6. Der schwierige Neubeginn 1945-1950
  7. Der Ausbau von Schule und Heim von 1950 bis 1974
  8. Aus der Oberrealschule wird das Comenius-Gymnasium
  9. Die Entwicklung der Schule zu einem der größten Gymnasien Niederbayerns

Vorgeschichte

Obwohl die Realschule in Deggendorf erst im Jahre 1900 gegründet wurde, beginnt die Vorgeschichte unserer Schule bereits im Jahre 1850. In diesem Jahr beabsichtigte nämlich der Deggendorfer Stadtmagistrat eine höhere Schule, ein sog. "Benefizium", unter kirchlicher Trägerschaft nach dem Vorbild der klösterlichen Latein­schulen in Metten und Niederaltaich einzurichten. Als diese Pläne am Widerstand des Bischöflichen Ordinariats in Regensburg aus finanziellen Gründen scheiterten, beschloss der Stadtrat 1868 zumindest eine gewerbliche Tagesfortbildungsschule für Lehrlinge und Gesellen zu gründen. Lehrplanreformen und die Ergänzung der Stundentafel mit zusätzlichen allgemeinen Fächern führten zu einer allmählichen Angleichung der gewerblichen Tagesfortbildungsschule (Vorläufer der heutigen Berufsschule) an die vierklassige Realschule.
Als dann im Jahre 1866 Deggendorf als Sitz einer Präparandenschule (Schullehrerseminar) ausgewählt wurde, flammte erneut die Diskussion um eine weiterfüh­rende Schule in Deggendorf auf. Vor allem die Bürger der Stadt, die ihre Söhne nicht auf die teueren Latein­schulen nach Metten, Straubing oder Passau schicken wollten, machten Druck auf den Stadtmagistrat. Dieser sandte wiederholt Anträge und Gesuche an die zuständigen Stellen. Erst 1897 gab die Versammlung nieder­bayerischer Landräte nach kontroverser Diskussion dem dringenden Gesuch der Deggendorfer Stadtväter nach und gewährte einen Jahreszuschuss von 12.000 Mark für die Errichtung einer Realschule. Dieser Zuschuss deckte bereits einen Großteil der vom Stadtkämmerer errechneten 19.490 Mark jährlicher Personal- und Sachkosten für die geplante Realschule. Als dann auch noch das Kultusministerium ein Fundationskapital von 30.000 Mark für einen Schulneubau zur Verfügung stellte, der allein 1.200 Mark an jährlichen Zinsen einbrachte, war die Finanzierung gesichert.

Die Gründung der Königlichen Realschule in Deggendorf am 01.09.1900

Nach jahrelanger Vorarbeit konnte am 1.9.1900 endlich eine vierklassige Realschule in Deggendorf gegründet werden. Als 1. Rektor wurde Friedrich Dilger, ein gebürtiger Schwabe, bestimmt.

Zur Aufnahme in die 1. Klasse meldeten sich 47 Schüler aus der Volksschule, die anderen drei Klassen konnten mit Schülern aus der gewerblichen Tagesfortbildungs-schule gebildet werden. Rektor Dilger begann das 1. Schuljahr mit vier Lehrern und 93 Schülern.
Untergebracht war die neu gegründete Königliche Realschule im alten Knabenschulhaus in der Rosengasse 12. Dieses leerstehende Gebäude bot sich an, weil die Volks­schule in die neue "Knabenschule" umgezogen war. Schon bald stellte sich heraus, dass sich sowohl die Gebäude als auch die Einrichtung in einem sehr schlechten Zustand befanden. Deshalb drängte Rektor Dilger in sehr fordernder Weise Bürgermeister Kinskofer und die Stadt um weitere Zuschüsse für die Einrichtung der Schulräume und vor allem auf einen Neubau.
Trotz stagnierender Schülerzahlen konnte Rektor Dilger den Ausbau zur sechsklassigen Realschule 1903 vollenden. Inzwischen unterrichteten sechs hauptamtliche Lehrer die 142 Schüler. Im Jahre 1904 wurden 8 Absolventen nach bestandener Absolutorialprüfung feierlich entlassen.
1906 wurde bereits im Stadtrat beschlossen, ein Realschulgebäude zu errichten. Eine ausgewählte Kommission von Gemeindekollegium und Magistrat reiste nach Traunstein, um das dortige Internat zu besichtigen. An die 100 Deggendorfer und Schachinger Bürger forderten sogar 1906 in einer Petition, die Realschule in eine Oberrealschule umzuwandeln.
Die Stadt als Träger für Personal- und Sachkosten aber zögerte noch. Einerseits waren die Schülerzahlen in den folgenden Jahren rückläufig und die Finanzierung ungeklärt, andererseits fehlte zur Unterbringung potenzieller Schüler aus dem Bayerischen Wald ein Internat und schließlich stieß der forsch fordernde Ton des Rektors bei Bürgermeister und Stadtrat auf taube Ohren, so dass man beim Thema "Neubau einer Realschule" "mauerte".
Um zumindest guten Willen zu zeigen, gaben die Stadtväter beim Münchener Architekten Johann Baptist Schott (1853-1913), bekannt u.a. durch den Bau der Deggendorfer Knabenschule oder der Basilika in Altötting, die Planung eines Schulhauses in Auftrag, verbunden mit dem Bau eines Schülerpensionats. Mit verschiedenen Bauplatzvarianten glaubte man den Neubau von Schule und Heim verzögern zu können.

Dr. Hans Wöhrle

Resigniert ließ sich im Jahre 1909 Rektor Friedrich Dilger an die Realschule nach Kaufbeuren versetzen. Zu seinem Nachfolger wurde der Königliche Reallehrer Dr. Hans Wörle von der Realschule Neuburg a.D. ernannt.
Dr. Wörles Kooperationsbereitschaft mit der Stadt und die große Unterstützung durch Schüler, Lehrer und insbesondere der einflussreichen Elternschaft brachten wieder Bewegung in die erstarrten Fronten bei den Neubauplänen. Der neue Rektor versuchte mit der Idee, zuerst ein Schülerheim zu errichten, um möglichst viele Schüler zu gewinnen, die Stadt mit der Steigerung der Schülerzahlen in Zugzwang zu bringen. Außerdem ließ der Schulleiter keine Gelegenheit verstreichen, als Vorsitzender des Deutschen Flottenvereins oder des deutsch-österreichischen Alpenvereins, Sektion Deggendorf, und als Mitglied vieler örtlicher Vereine mit mitreißenden Worten auf die Notwendigkeit des Neubaus der Realschule und eines Heims hinzuweisen. Diese Taktik führte schließlich zum Erfolg.

Der Neubau von Realschule und Internat 1913

1910 überzeugte Dr. Wörle Bürgermeister und Stadtrat von seinen Plänen, so dass zum Neubau einer Realschule auch die Errichtung eines Schülerheims beschlossen wurde. Weil aber Dr. Wörle die Hinhaltetaktik der Stadt von seinem Vorgänger kannte, begab er sich persönlich auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Am besten schienen ihm dafür die "Eder-Felder" (heutige Jahnstraße) vor der Stadt geeignet. Als er schließlich die Stadtväter zum Kauf des Grundstückes für 10.000 Mark überreden konnte und für den Turnverein, dessen Sportplatz sich dort befand, ein in der Nähe befindliches städtisches Grundstück tauschen konnte, waren die ersten Hürden beseitigt.

Bauplan

Der Schott-Plan wurde von Stadtbaumeister Donhauser und der Kreisbaubehörde in Landshut überarbeitet und Anfang 1911 genehmigt. Letztendlich aber gab die ultimative Aufforderung der Regierung von Niederbayern den Ausschlag, in der man den sofortigen Neubau von Schule und Heim verlangte, sonst würde man die Realschule schließen, hatte man doch der Stadt schon vor 14 Jahren ein Fundationskapital von 30.000 Mark gegeben. Durch ein günstiges Darlehen der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in Höhe von 150.000 Mark konnte man 1912 mit dem Bau des Städtischen Erziehungsinstitutes beginnen. Bereits im September 1912 konnten die ersten 31 Heimschüler die Realschule in der Rosengasse besuchen. Die Baukosten beliefen sich auf ca. 130.000 Mark für das Gebäude und auf ca. 13.000 Mark für die Einrichtung. Der erste Internatsdirektor war Josef Käser aus Rosenheim, der in seiner Arbeit von einem Präfekten unterstützt wurde. Inzwischen ging auch der Bau des Realschulgebäudes trotz des schwierigen Einbaus einer Eisenkonstruktion für den Schulturm zügig voran und am 16. September 1913 konnte der Umzug von der Rosengasse termingerecht erfolgen. In einer feierlichen Eröffnungszeremonie fand die Einweihung der Gebäude statt. Die Kosten für Bau und Einrichtung der Realschule beliefen sich auf insgesamt 226.000 Mark. Damit war 1913 unter großen finanziellen Anstrengungen der Stadt mit der 1912 für ca. 100.000 Mark ebenfalls neu erbauten Präparandenschule auf dem Jahnhügel das erste Schulzentrum Deggendorfs errichtet, die der Stadt das Prestige einer bedeutenden Schulstadt verheb. Auch in München war man zufrieden mit der schulischen Entwicklung in Deggendorf. So stärkte man das Ansehen der Schule ungemein, als Seine Majestät König Ludwig III. von Bayern im Juni 1914 den Titel "Königliche Ludwigsrealschule" verlieh. Die neuen Gebäude steigerten auch die Schülerzahlen in Schule und Internat. Allerdings gab es nach dem Aus­bruch des 1. Weltkrieges 1914 zunehmend Probleme in der Unterrichtserteilung, da einige Lehrkräfte zum Kriegsdienst einberufen wurden. So musste Dr. Wörle 1915 für den eingezogenen Internatsdirektor Käser die Heimleitung übernehmen, bis er in Nikolaus Woher einen neuen Heimleiter fand.
Dem Zeitgeist entsprechend gründete Rektor Dr. Wörle eine Wehrkraftgruppe an der Schule, die außerhalb des Unterrichtes die Schüler nicht nur körperlich ertüchti­gen, sondern zu praktischer Selbsthilfe erziehen sollte. Aus ihr entwickelte sich 1916/17 die .Jugendwehr", die Teil der Jugendwehr-Kompagnie Deggendorf war. Dafür gründete Dr. Wörle eigens eine Musikkapelle mit acht Trommelflöten, sechs Trommlern und sieben Blechbläsern. Im Rahmen dieser paramilitärischen Erziehung wurden neben sportlicher Ertüchtigung auch die Schüler zu landwirtschaftlichen Einsätzen auf Schloss Moos und in Landau verpflichtet. Daneben wurden die Schüler auch während der Unterrichtszeit für Sammelaktionen (Metalle, Altpapier, Bucheckern zur Speiseölgewinnung und Geld) eingesetzt.
Höhepunkte der intensiven körperlichen Ausbildung bildeten die "Luitpoldtage", an denen sich die gesamte Schulfamilie zu Spiel- und Sportveranstaltungen traf. Daraus entwickelten sich sportliche Vergleichswettkämpfe mit Schulen des ostbayerischen Raumes.
Um sich vor der drohenden Lebensmittelknappheit im Heim zu schützen, wurde im Schuljahr 1916/17 der Grasgarten im Schulhof in einen 700 m2 großen Kartoffelacker umgegraben. Gegen Kriegsende wurden die Realschüler auch zunehmend zu Arbeitseinsätzen in der heimischen Industrie und bei der Bahn rekrutiert.
Den 17 gefallenen Lehrern und Schülern wurde 1925 anlässlich des 25-jährigen Gründungsjubiläums eine bronzene Gedenktafel gewidmet.

Die Entwicklung der Realschule bis 1933

Die stürmischen Auswirkungen der revolutionären Änderungen machten auch an der "Königlichen Ludwigsrealschule" in Deggendorf nicht Halt. In einer Zeit, in der die Weimarer Republik gegründet wurde, in Bayern die Räterepublik Kurt Eisners herrschte und selbst in Deggendorf ein Arbeiter- und Bauernrat kurzfristig das Sagen hatte, geriet der überzeugte Monarchist Dr. Wörle ins Kreuzfeuer der Kritik. Als typischer Vertreter der alten Ordnung ließ er sich auf eigenes Ansinnen bereits am 01.09.1918 an die Realschule Kempten versetzen.
Zu seinem Nachfolger wurde der Würzburger Gymnasialprofessor Dr. Franz Höherl als Rektor berufen. Er versuchte die Tradition seines Vorgängers fortzuführen und gleichzeitig die demokratischen Reformen im Schulsystem umzusetzen.
So wurde der Zeit gemäß der Titel "Königliche Ludwigsrealschule" "entmonarchisiert", als offizielle Bezeichnung führte man nun den Namen "Ludwigs-Realschule Deggendorf". Ende 1918 wurde gemäß einer ministeriellen Entschließung ein vierköpfiger Schülerausschuss dem Schulvorstand zur Seite gesetzt. Ab dem Schuljahr 1919/20 durften zum ersten Mal Mädchen die Realschule besuchen, wenn es am selben Ort keine Mädchenrealschule gab. Im selben Jahr wurde auf Anweisung des Ministeriums ein Elternbeirat gegründet, der sich aus vier gewählten Elternteilen und dem Vor­stand des Heims zusammensetzte. Der Rektor und ein gewählter Vertrauensmann füngierten lediglich als beratende Mitglieder.
Neben diesen demokratischen Schulreformen wurden auch 1922 das Fach "Handelskunde" neu eingeführt. Für diesen Zweck wurde der Schule ein hauptamtlicher Lehrer zugeteilt. Im Schuljahr 1926/27 wurde zudem eine verpflichtende "Berufsberatung" für alle Schüler angeboten, die von einem Mitglied des Lehrerkollegiums durchgeführt wurde

Dr. Franz Höherl

Schule und Heim schienen unter dem Rektorat Dr. Höherls einer neuer Blüte entgegenzugehen. Die Schülerzahlen stiegen von Jahr zu Jahr; doch damit auch zusehends die Probleme:
Als mit Wirkung vom 01.04.1924 alle bayerischen Realschulen vom Staat übernommen wurden, war man wegen der hohen Schulkosten von Seiten der Stadt über diese Regelung nicht unglücklich. Allerdings waren durch die unterschiedliche Trägerschaft, das Heim weiterhin in städtischer Hand, die Realschule nun in staatlicher Hand, Schwierigkeiten vorhersehbar. Und in der Tat kam es zwischen dem tüchtigen Heimleiter Studienprofessor Johann Grießmann und Rektor Dr. Höherl zu massiven Meinungsverschiedenheiten, die zuerst an den Stadtrat und von hier aus an das zuständige Ministerium weitergeleitet wurden. Eine zu diesem Zweck eingesetzte Kommission nahm eindeutig zu Gunsten des Heimleiters Stellung, dessen Arbeit gelobt wurde. Damit verschlechterte sich aber auch das anfangs gute Verhältnis zur Stadt, was sich im Endeffekt negativ für Schule und Heim auswirkte. Außerdem gab es an der Schule selbst große Schwierigkeiten zwischen Schulleitung und Kollegium. Politisch unterschiedliche Standpunkte prallten aufeinander, so dass die politische Zerrissenheit des Kollegiums sich negativ auf die Schulatmosphäre auswirkte. Schließlich hatten viele Schüler ohne entsprechende Eignung an die Realschule gedrängt, was zu einer hohen Durchfallquote führte. All diese Probleme gipfelten in der Anklage Dr. Höherls wegen Urkundenfälschung. Er wurde gerichtlich belangt und im Range eines Oberstudienrates an das Würzburger Realgymnasium versetzt. Im Gegenzug kam der dortige Studienprofessor Eduard Bleifuß als Schulleiter an die hiesige Schule.

Eduard Bleifuß

Dem ehemaligen kaiserlichen Regierungsbeamten gelang es in seiner bestechenden Liebenswürdigkeit und mit großer Diplomatie innerhalb kürzester Zeit die vorhandenen Gegensätze zwischen Schule, Stadt und Heim auszuräumen und die politischen Differenzen im Kollegium unter Kontrolle zu halten.
Einen ersten Höhepunkt stellt das "Wiedersehensfest ehemaliger Absolventen und Mitschüler der Ludwigsrealschule Deggendorf anlässlich des 25jährigen Bestehens der Schule" am 5. und 6. September 1925 dar. Die zweitägige Feier, deren Höhepunkte der Festakt im Rathaussaal mit der Ansprache des ehemaligen Lehrers Leibeck Landshut, der ökumenische Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche, die mitternächtliche Illumination des Rathausturmes, die Führungen durch die Schule und die Enthüllung einer Gedenktafel für die gefallenen Lehrer und Schüler bildeten, zeigen die gute Zusammenarbeit von Schule und Stadt.
Rektor Bleifuß nutzte die Gunst der Stunde und mit großem Verhandlungsgeschick gelang es ihm, die Stadt von der Notwendigkeit einer Turnhalle zu überzeugen. Bereits am 09.10.1927 konnte diese in einem feierlichen Akt eingeweiht werden. Die Stadt hatte mit ca. 100.000 Mark diesen Bau finanziert.
Die Schülerzahlen an der Schule stiegen inzwischen auf 255, was Rektor Bleifuss veranlasste die Angliederung einer 7. Klasse zu erreichen. Allerdings hatten sich die Zeiten geändert. Wegen der schlechten finanziellen Lage des Staates wurde der Antrag abgelehnt.
Im Städtischen Erziehungsinstitut sanken die Schülerzahlen von Jahr zu Jahr. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und soziale Not führten zu einem dramatischen Rückgang der Schülerzahlen im Anfang 1928 hatte Rektor Bleifuß, verstimmt über seine Misserfolge, um seine Versetzung nach Cham gebeten. Als sein Nachfolger wurde Studienrat Dr. Hans Schlaffner von der Münchener Oberrealschule 3 nach Deggendorf versetzt.

Dr. Hans Schlaffner

Sein Rektorat fiel in die schwierige Zeit der Endphase der Weimarer Republik. Mit dem jugendlichen Elan eines jungen Schulleiters machte sich Dr. Schlaffner daran, die Angliederung der 7. Klasse durchzusetzen. Aber sein Eifer wurde jäh gebremst.
Die im Zuge der Weltwirtschaftskrise notwendigen Ein­sparungen (Reichskanzler Brünings Deflationspolitik) schlugen sich besonders im Schulbereich nieder. So musste er gemäß einer ministeriellen Weisung alle
Parallelklassen aufheben. Diese Maßnahme sollte den Zulauf zu den höheren Schulen begrenzen und zum mittelfristigen Abbau des Beamtenapparates führen. Diese Anordnung, die über 10 Jahre Gültigkeit besaß, kam einer " Kastration" der Realschule Deggendorf gleich. Die Zahl der Schüler sank von 269 (1925) auf 167 (1929).
Trotzdem glaubte Dr. Schlaffner mit der Angliederung einer 7. Klasse Schule und Heim wieder attraktiver machen zu können. Da er als. Stadtrat (BVP) gleichzeitig Verwalter der Realschulgebäude war, gewann er Bürgermeister Dr. Reus und den Stadtrat für seinen Plan, das Kultusministerium zur Genehmigung der 7. Klasse zu bewegen, wenn im Gegenzug dafür das Gehalt eines Studienrates aus der Stadtkasse bezahlt werde. Leider stieß dieses opferbereite Angebot der Stadt bei den zuständigen Stellen in München auf Ablehnung.
So reagierte zumindest die Stadt auf diese prekäre Situation und man fand einen Ausweg aus der Krise des Städtischen Erziehungsinstitutes. Auf Grund der hohen jährlichen Zuschüsse der Stadt für das Heim beschloss der Stadtrat am 27.01.1931 auf Vorschlag Rektor Dr. Schlaffners das Internat an den Maristen-, Fürsorge-und Missionsverein Furth b. Landshut zu verpachten. Der Pachtvertrag vom 06.03.1931 legte fest, dass die Maristen das Heim ab 1. April übernehmen. Stellen sie zudem das Heimpersonal, so brauchen sie der Stadt keine Pachtgebühren zahlen. Das Heim führte jetzt die Bezeichnung " Schülerheim der Maristen-Schulbrüder". In den ersten drei Jahren mussten die Maristen den Heimbetrieb bezuschussen. Trotzdem bekam das Schülerheim unter ihrer Führung eine neue Anziehungskraft. Nicht nur die ausgezeichnete Verpflegung, sondern auch die hervorragende erzieherische Arbeit waren dafür verantwortlich.

Die Entwicklung der Realschule in der nationalsozialistischen Zeit (1933- 1945)

Unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung war Dr. Schlaffner am 16.05.1933 durch eine kultusministerielle Entschließung nach Memmingen versetzt worden. Er hatte um seine Versetzung gebeten, um drohenden Konflikten aus dem Weg zu gehen, galt doch der Stadtrat den neuen Machthabern als "Stütze des politischen Katholizismus" als Schulleiter nicht mehr tragbar. Er wurde durch Studiendirektor Ferdinand Gierisch als Rektor abgelöst.

Ferdinand Giersch

Waren die ersten drei Jahre von 1933-1936 noch relativ unbeeinflusst von der neuen nationalsozialistischen Schulpolitik, so nahm der Einfluss von Partei und Parteiorganisationen stetig zu. Inzwischen hatte sich ein großer Teil der Schülerschaft der Hitlerjugend angeschlossen. Rektor Gierisch wollte den Ausbau der Schule durch Angleichung an den Zeitgeist vorantreiben. Das propagandistische Motto "Macht die Ostmark stark" diente ihm dazu. Lag doch die Deggendorfer Realschule an der Grenze zur Ostmark, war sozusagen ein "Kulturwall" gegen den Osten. Trotz aller Loyalität und guter Argumente wurde der Antrag des Schulleiters auf Erweiterung der Realschule vom 12.03.1936 zunächst abgelehnt. Das Ministerium gab ihm deutlich zu verstehen, dass der katholische Orden der Maristen als Träger des Heims mit den Zielen nationalsozialistischer Jugenderziehung unvereinbar wäre. So wurde in einem ersten Schritt den Maristen am 24.03.1937 der Pachtvertrag gekündigt, obwohl ihnen von allen Seiten eine vorzügliche Erziehungsarbeit bestätigt wurde.
Da inzwischen auch Straubing und Cham um den Ausbau ihrer Realschulen mit Deggendorf konkurrierten, musste eine zusätzliche Lösung angestrebt werden: Schule und Heim sollten nach Gierischs Plan miteinander verbunden werden. Dadurch könnten für die Stadt die Personalkosten für den Heimleiter und den Präfekten eingespart werden. Somit überzeugte er Bürgermeister und Stadtrat, die anfangs wenig geneigt waren, das Schülerheim wieder verwaltungsmäßig und finanziell zu übernehmen. Der Rechtsrat der Stadt Deggendorf machte die Zustimmung zu diesem Plan von der Genehmigung durch das Staatsministerium abhängig. Die Einwilligung des zuständigen Staatssekretärs Dr. Boepple erreichte Rektor Gierisch dadurch, dass er ihm deutlich machen konnte, dass in Deggendorf die Rahmenbedingungen für nationalsozialistische "Landerziehungsheime" in idealer Weise vorhanden seien. Realschule und Erziehungsinstitut würden sich dazu hervorragend eignen. Dieser Plan des Schulleiters führte am 16.03.1937 zur Angliederung einer 7. Klasse und im Schuljahr 1938/39 zur Angliederung einer 8. Klasse, wodurch die Realschule Deggendorf zunächst den Rang einer Oberrealschule, am Ende der Ausbauphase den Status einer Oberschule inne hatte. Diese Verfügung wurde von der Verpflichtung der Stadt abhängig gemacht, für die erforderlichen Schulräume, die erstmalige Ausstattung der Zimmer und die erstmalige Anschaffung der Unterrichtsmittel zu sorgen. Die Stadt ging auf die Bedingungen sofort ein. Der Ausbau zur Oberrealschule war auch für Deggendorf ein großer Prestigegewinn, konnte jetzt zum ersten Male in der Stadt ein Reifezeugnis erlangt werden. Die Stadt übernahm nach dem Weggang der Maristen nach den Vorschlägen des Rektors wieder die Heimverwaltung und baute in den Speicherraum der Schule einen Musiksaal und ein zusätzliches Klassenzimmer. Der Schulleiter übernahm ehrenamtlich die Heimleitung und konnte junge Lehrkräfte zum kostenlosen Heimdienst überreden.
Als im Juli 1937 Staatssekretär Dr. Boepple in Begleitung zweier Ministerialräte Schule und Heim besichtigte, fand die Art der Heimerziehung seine volle Zustimmung. Viele Anregungen aus dem Modell der "NS-Landerziehungsheime" waren seiner Ansicht nach in der Deggendorfer Konstruktion Schule und Heim verwirklicht. Dieser Besuch war letztlich ausschlaggebend für die weitere Entwicklung der Schule. Durch KME vom 12.04.1938 wurde das städtische Schülerheim in staatliche Verwaltung genommen und mit der Oberschule zu einer Einheit im "Deutschen Schulheim", einer völlig neuen Schulgattung verschmolzen. Der Direktor der Schule war gleichzeitig der Heimleiter. Die Tätigkeit im Heim wurde auf das Pflichtstundenmaß angerechnet. Erzieher durften mit maximal 12 Unterrichtsstunden eingesetzt werden.
Am 15.03.1939 wurden in einer feierlichen Veranstaltung die ersten 16 Abiturienten (14 Schüler, 2 Schülerinnen) entlassen.
Dank großer Propaganda wurde das Deutsche Schulheim in Deggendorf weit über das bisherige Einzugsgebiet hinaus bekannt gemacht. So stieg die Schülerzahl innerhalb von drei Jahren auf 413, die Zahl der Heimschüler verdoppelte sich auf fast 100, ebenso stieg die Zahl der Klassen von 7 auf 14 (1939). Die Raumnot konnte dadurch etwas gelindert werden, dass man die Sammlungsräume in Klasszimmer umwandelte und die naturwissenschaftlichen und geografischen Sammlungen auf dem Speicher unterbrachte. Als Deutsches Schulheim richtete man nun Unterricht und Erziehung ganz auf die NS-Ideologie mit ihren Werten und Zielsetzungen aus: "Es ist Aufgabe der Schule, eine körperlich und geistig gestählte Jugend heranzuziehen, die die bewegenden Kräfte der Zeit versteht, die einsatzbereit ist für ihre Ziele, die hart und entschlossen einmal das Steuer der Geschichte unseres Vaterlandes in die Hände nehmen will, auf die der Führer sich in guten und in schlimmen Tagen unbedingt verlassen kann (...). Charakterliche und weltanschauliche Schulung muss aber stets, das oberste Ziel (...) eines Deutschen Schulheims sein." In den Zielsetzungen eines Deutschen Schulheims spielte das Schülerheim eine wesentliche Rolle. Hier sollte mindestens die Hälfte aller Schüler schwerpunktmäßig im nationalsozialistischen Geist erzogen werden. Selbst ein Teil der Stadtschüler sollte zur Teilnahme an ent­sprechenden Veranstaltungen im Heim verpflichtet werden.
Für diese weitreichenden Pläne fehlten aber die räumli­chen Voraussetzungen im Internat. Ein dafür notwendiges zweites Heimgebäude stand außer Frage. Also musste in einer kleinen Lösung zumindest das bisherige Heim ausgebaut und erweitert werden. In Zusammenarbeit mit dem Stadtbauamt wurde ein Plan erstellt, der den Speicherraum in einen Mansardenstock mit 14 Zimmern für die älteren Schüler umwandeln sollte. Für die geplanten Kosten von 27.000 Mark waren 25.000 Mark als staatlicher Zuschuss zugesagt, für die restlichen 2.000 Mark übernahm Rektor Gierisch eine private Bürgschaft. Mit dem Bau sollte noch im Juli 1939 begonnen werden. Doch der drohende Krieg verschärfte die Lage auf dem Baumarkt. Materialien waren nur auf Bezugschein zu erhalten, viele Bauarbeiter waren bereits für den sich abzeichnenden Krieg eingezogen. Diese
 Notsituation konnte in einer solidarischen Aktion der Deggendorfer Handwerker bewältigt werden. Ein ehemaliger Schüler übernahm den Ausbau mit den letzten Reserven seines Baumaterials. Am 25. August war der Rohbau des Mansardenstockes fertig, am 26.08.1939 wurde Direktor Gierisch zur Luftwaffe einberufen. Studienprofessor Leo Russy war vom 26.08.1939 bis zum 09.01.1940 mit der stellvertretenden Leitung des Deutschen Schulheims betraut. Ihm folgte am 10.01.1940 Oberstudiendirektor Meinel, dessen Schule in Pirmasens aus Kriegsgründen vorübergehend geschlossen worden war, als Schulleiter.

Rudolf Meinel

Beiden gelang es trotz des Krieges den Ausbau des Schülerheims zu vollenden. Durch den Ausbau waren 12 Zimmer für die "Jungmannen", 2 Kameradschaftsräume und ein Waschraum mit 27 Waschbecken gewonnen worden. Das Heim konnte damit 120 Schüler aufnehmen. Direktor Meinel kehrte am 31.8.1940 wieder an seine alte Wirkungsstätte nach Pirmasens zurück.
Ab dem 1.9.1940 wurde der Passauer Studienrat Rudolf Schinkinger mit der Leitung des Deutschen Schulheims beauftragt. Sein Rektorat fiel durchweg in die Kriegszeit, so dass es durch die Abberufung zu großen Problemen mit der Lehrer- und Erzieherversorgung im Deutschen Schulheim kam. Dazu mussten die Schwierigkeiten der Verpflegung im Heim, der Beschaffung des Brennmaterials, der Einstellung von Küchenpersonal und der immer stärker werdenden Vereinnahmung durch die NS-Organisationen bewältigt werden.

Rudolf Schinkinger

Im Schülerheim führte der Mangel an Heimerziehern zur Einführung eines "Jungmannen vom Dienst", der in seiner Funktion als Hilfspräfekt den Tagesablauf im Heim mit organisierte und kontrollierte. Daneben wurden Hilfsdienste eingeführt, wie der "Zimmerälteste" oder der Schlafsaalwart, der Bücherei-, der Zeitschriften- und der Sportwart.
Ganz im Sinne der NS-Rassengesetze konnten im Deut­schen Schulheim keine Juden zugelassen werden. So musste der Halbjude Ulrich Sander wegen seiner nicht arischen Abstammung das Heim verlassen.
Das Deutsche Schulheim war ganz an die Deggendorfer Parteiorganisation der NSDAP angeschlossen, bereits ab 1939 war Studienassessor Ohler als Vertrauenslehrer zwischen Schule und örtlicher Partei eingesetzt, um die Zusammenarbeit besser koordinieren zu können. Fast alle Lehrer des Deutschen Schulheims waren aktiv in der Partei tätig. Schulleiter Schinkinger war als Kulturhauptstellenleiter des Kreises Deggendorf und Leiter des Deutschen Volksbildungswerkes tätig. In seinen Lehrerbeurteilungen musste er auch die politische Gesinnung und die Parteitreue des Kollegiums beurteilen. Somit war die Partei lückenlos über die weltanschauliche Haltung des Lehrerkollegiums informiert.
In vielen Parteiveranstaltungen konnte sich das "Deutsche Schulheim" profilieren. So organisierte die Schule 1939 eine viel beachtete Ausstellung mit dem Titel "Kampf um Deutschlands Freiheit" oder veranstaltete im
Mai 1941 den dreitägigen "Kriegskreistag". Viele NS-Gedenk- und Feiertage, wie der Führergeburtstag, der Tag der Machtergreifung oder der Tag des Deutschen Volkstums endeten im Hissen der HJ-Flagge und im Treueschwur zu Adolf Hitler.
Besonders deutlich zeigte sich die nationalsozialistische Erziehung in der Heimbetreuung. In der Freizeit dienten die sportlichen Aktivitäten mit vielen Mutproben der körperlichen Wehrertüchtigung. Im Werkunterricht baute man deutsche Flugzeug- und Schiffsmodelle und die zahlreichen Heimabende wurden von den einzelnen Kameradschaften kulturell gestaltet, die den Gemeinschaftsgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken sollten.
Trotzdem hat sich aus dem Deutschen Schulheim keine parteihörige Nachwuchsschmiede entwickelt. Mit viel Diplomatie und Fingerspitzengefühl konnte Direktor Schinkinger verhindern, dass das Deutsche Schulheim der SS unterstellt wurde.
Mit zunehmender Kriegsdauer waren die Kriegsauswirkungen immer stärker auch an der Schule zu verspüren. Ab 1944 kam es zu massiven Unterrichtsstörungen, als die Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen zum Reichsarbeitsdienst bzw. zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Ab 1944 konnte teilweise nur mehr an zwei oder drei Tagen unterrichtet werden. Im Herbst 1944 suchten immer mehr Flüchtlinge und Verwundete Unter­schlupf im Deutschen Schulheim, das daraufhin am 22.01.1945 offiziell in ein deutsches Übergangslazarett umgewandelt wurde. In den verbleibenden Klassenzimmern wurden bis Anfang 1945 noch ca. 500 Schüler im Schichtbetrieb unterrichtet.
Am 27.04.1945 marschierten die Amerikaner in Deggendorf ein; abgesehen von einer Granate, die nur leichten Sachschaden verursachte, blieben Schule und Heim vor Zerstörungen verschont.

Der schwierige Neubeginn 1945-1950

Von April 1945 bis April 1946 ruhte der Schulbetrieb, nachdem der amerikanische Oberbefehlshaber Eisen-hower in seiner Proklamation Nr. l die Schließung aller Unterrichts- und Erziehungsanstalten innerhalb des Besatzungsgebietes verfügt hatte. Lediglich eine 6. und eine 8. Klasse wurden im Rahmen der UNRRA-Schule (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) aus der benachbarten "Neuen Kaserne", wo über 1.000 meist jüdische "displacedpersons" untergebracht waren, von drei unbelasteten Lehrern unterrichtet. Schule und Heim wurden ansonsten von der amerikanischen Besatzungsmacht als Lazarett genützt. Direktor Schinkinger musste die Schulleitung abgeben und sich wie die meisten Lehrkräfte des Deutschen Schulheims der Entnazifizierung unterziehen. Er führte lediglich die Amtsgeschäfte.
Der von der Militärregierung eingesetzte Kultusminister Dr. Fendt teilte am 17. Oktober 1945 mit, dass die Militärregierung die Aufnahme des Unterrichtes in allen Klassen der Höheren Schulen genehmigt habe. Trotz wiederholter Anträge der Schulleitung verzögerte sich die Unterrichtsgenehmigung für die Oberschule, weil die Überprüfung der Entnazifizierungsbögen der Lehrkräfte am ehemaligen Deutschen Schulheim länger dauerte. Am 1. November 1945 übernahm Studienrat Andreas Maderer, der gleichzeitig von der amerikanischen Militärbehörde als Bürgermeister der Stadt eingesetzt wurde, die Leitung von Schule und Heim. Er fungierte auch als Mittelsperson zwischen Schule und Militärregierung.

Andreas Maderer

Zu Beginn seiner Amtstätigkeit ließ Direktor Maderer die größten Beschädigungen des Inventars, die durch die einjährige Zweckentfremdung entstanden waren, reparieren, er kümmerte sich um die notwendige neue Einrichtung im Heim und versuchte die dezimierten Einrichtungsgegenstände wenigstens notdürftig zu erganzen. Auf Grund der nationalsozialistischen Vergangenheit als Deutsches Schulheim wurden durch KME vom 19.11.45 Schule und Heim wieder getrennt, doch blieb das Schülerheim unter staatlicher Verwaltung und blieb dem Direktor der Oberrealschule unterstellt. Die Schule wurde, was ihre Ausbildungsrichtung anbetraf, nach dem Stand von 1938, also als achtjährige Ober­schule wieder hergestellt. Ebenso wurde die Schulordnung von 1928 wieder in Kraft gesetzt.
Für das kommende Schuljahr 1946/47 hatten sich 750 Schüler angemeldet, 1944 waren es 500; ferner musste die Mädchenoberschule mit der Oberrealschule zusammengelegt werden, weil das Elisabethenheim ebenfalls als Lazarett diente. Zur Unterrichtung dieser großen Schülerzahl fehlte es an Lehrpersonal. Mit Lehrkräften der früheren Mädchenoberschule und mehreren Flüchtlingslehrern begann der Wiederaufbau der Schule. Im Schülerheim übernahm einstweilen Religionslehrer Engelbert Baumgärtl die Leitung, unterstützt von Religionslehrer Karl Malis.
In der Doppelfunktion Schulleiter und Bürgermeister hatte es Maderer schwer, seine Vorstellungen gegenüber der Militärregierung durchzusetzen. Als die amerikanische Militärbehörde mit Maßnahmen des Bürgermeisters Maderer nicht einverstanden war, kam es zur vorübergehenden Amtsenthebung an der Schule. So wurde Studienrätin Elisabeth Holl, vormals Leiterin der Mädchenrealschule, kommissarisch als Schulleiterin eingesetzt. Sie durfte auch am 30.04.1946 im Beisein von Militärregierung, Landrat und Stadtrat den Schulbetrieb offiziell wieder eröffnen. 830 Schüler, davon 591 Jungen und 239 Mädchen mussten von den 19 von der örtlichen Militärregierung genehmigten Lehrkräften in 23 Klassen (21 hauseigene Klassen, 2 UNRRA-Klassen) unterrichtet werden. Das erste Nachkriegsschuljahr dauer­te vom 30.04. bis zum 15.07.1946. Als Maderer das Bürgermeisteramt niederlegte, konnte er sich mit aller Kraft zu Schuljahresbeginn 1946/47 der Schule widmen. Die Schülerzahl war inzwischen auf über 900 gestiegen, bedingt durch viele Flüchthngs-kinder und die Fusion mit der Mädchenrealschule. Große Probleme gab es in Unterrichtsverteilung zu bewältigen, mussten doch 24 Klassen in 13 Schulräumen untergebracht werden. Dies war nur durch den sog. "Abteilungsunterricht" möglich, d.h. die einzelnen Klassen wurden in Vor- bzw. Nachmittagsunterricht eingeteilt. Die Zahl der unterrichtenden Lehrkräfte stieg auf 31, wobei zu den Flüchtlingslehrkräften allmählich auch
wieder die entnazifizierten Lehrkräfte kamen. Im Okto­ber 1946 wurde die Schule nun offiziell in "Oberrealschule mit Schülerheim Deggendorf" umbenannt. Im sehr strengen Winter 1946/47 musste wegen Mangel an Heizmaterialien der Unterricht für einige Tage ausfallen. Diese wurden allerdings im Frühjahr und im Sommer nachgeholt, so dass sich allmählich wieder der normale Schulalltag einstellen konnte.
Allerdings war der Zustrom in den nächsten Jahren sehr groß, so dass die Schule aus allen Nähten platzte. Im Schuljahr 1948/49 zählte die Schule 995 Schüler, die in 27 Klassen von 4l Lehrern unterrichtet wurden. Nur mit Klassenstärken von über 50 Schülern und mit Schichtunterricht war dies zu lösen. Dabei musste die Auftei­lung der Klassen nach Knaben und Mädchen, nach Sprachen, nach Konfession und nach Fahr- oder Stadtschülern berücksichtigt werden.
Seit 1947 hatte der Pfarrer Engelbert Baumgärtl mit seiner Schwester das Regiment über die 120 "Schülerheimer" übernommen. Mit ihnen zog ein strenger, klerikaler Geist ein. Allerdings wurde Baumgärtl überraschend 1950 nach Amberg versetzt. Für ihn übernahm Direktor Maderer persönlich die Heimleitung, eine große Arbeitsbelastung, da Maderer zudem als CSU-Landtagsabgeordneter häufig für ein paar Tage in München war. Deshalb übernahm auf seine Vermittlung Josef Ketteier die Leitung des Pensionats, allerdings nur für ein Jahr, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er falsche Angaben über seine Lehr- und Erziehungsarbeit gemacht hatte.
Am 12. und 13. Juli 1950 feierte die Oberrealschule mit Schülerheim ihr Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen. Gleichzeitig war damit die Entlassung der Abiturienten verknüpft. Am Vorabend fand in der Turnhalle ein Festkonzert statt, an dem auch ehemalige Schüler mitwirkten. Direktor Maderer ging in seiner Festansprache auf die wechselvolle Geschichte der Schule ein. Er betonte, dass die Stadt Deggendorf mit der Gründung der Schule, der ersten Realschule Niederbayerns, aus ihrem Provinzdasein herausgetreten sei. Des weiteren charakterisierte er die Schule mit ihren 1.000 Schülern als ein wichtiges Bildungszentrum an der Grenze zum Bayerischen Wald. Da die finanziellen Verhältnisse die Herausgabe einer Festschrift nicht zuließen, ist lediglich im Jahresbericht 1949/50 ein knapp gehaltener Überblick über die Entwicklung der Schule enthalten, der vom ehemaligen Schulleiter Ferdinand Gierisch zusammengestellt wurde. Am Abend trafen sich Schüler, Lehrer  und viele "Ehemalige" im Schwarzmannsaal und tauschten in gemütlicher Runde Erinnerungen aus. Musik, kleine Einakter von Ludwig Thoma und Max Peinkofer und schließlich Tanz rundeten den Abend ab. Das eigentliche Wiedersehensfest wurde am 12. August im Rahmen des 1200-jährigen Stadtjubiläums durchgeführt.

Der Ausbau von Schule und Heim von 1950 bis 1974

Die steigenden Schülerzahlen zwangen Schulleiter Maderer nach Erweiterungs-möglichkeiten für Schule und Heim zu suchen. Der große Flüchtlingsstrom hatte allerdings die Wohnungsnot zusätzlich verschärft. Dank seiner guten politischen Beziehungen als Landtagsabgeordneter gelang es dem Schulleiter, bei der Neuen Kaserne (heutiger Standort des BGS) eine Nutzungserlaubnis für Schulzwecke zu erreichen. Nach seinen Plänen sollte ein dortiger Block die Mädchenabteilung der Oberrealschule unter der Leitung von Studienrätin Holl aufnehmen. Zudem plante er dort ein Mädchenpensionat einzurichten. Die Schülerinnen sollten überwiegend von weiblichen Lehrkräften unterrichtet werden. Die Gesamtleitung sollte aber in den Händen Maderers liegen. Bei der 50-Jahr-Feier konnte Maderer die offizielle Zusage des bayerischen Ministerpräsidenten Ehard noch voller Stolz verlesen, doch bereits im Februar 1951 kam es zum Baustopp, denn die US-Streitkräfte wollten den Bau für ihre eigenen Angehörigen nutzen. Damit waren die Bauvorhaben der Schulleitung bis zum Ende der 50er Jahre vorerst gebremst.
So musste man sich zwangsläufig mit den organisatorischen Reformen der 50er Jahre beschäftigen. Nachdem sich die sog. Kurzform, d. h. Schüler besuchen 6 Jahre die Volksschule und legen nach weiteren 6 Jahren an der Oberrealschule ihr Abitur ab, gegenüber der Langform, d. h. Schüler gehen nach 4 Jahren Volksschule an die Oberrealschule und absolvieren nach 8 Jahren das Abitur, aus organisatorischen Gründen nicht durchsetzen konnte, wurde im Jahre 1955 die neunte Klasse (alter Zählung) eingeführt. Damit wurde die Schulzeit um ein Jahr verlängert und die viel beklagte Stofffülle konnte mit der erforderlichen Vertiefung behandelt wer­den. Mit Ende des Schuljahres 1955/56 ging Oberstudiendirektor Andreas Maderer in den Ruhestand; es folgte ihm Oberstudiendirektor Rudolf Schinkinger, der bereits während der Kriegszeit von 1940-1945 die Schule geleitet hatte.
Im Schuljahr 1959 wurde dann der "kleine Reformplan" (Professor Theodor Maunz) zur Neugestaltung der Oberstufe umgesetzt. Danach konnten die Schüler der 8. Klassen in bestimmten Fächern bereits das "Vorabitur" ablegen, um sich dann in der 9. Klasse ganz auf die restlichen Abiturfächer konzentrieren zu können. Mit Ende des Schuljahres 1960/61 ging Oberstudiendirektor Rudolf Schinkinger in Pension und es folgte ihm Oberstudiendirektor Walther Habersetzer als Schulleiter.

Walther Habersetzer

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit entbrannte die Auseinandersetzung um den realgymnasialen Zweig. Zu diesem Zweck war 1962 eine Fördergemeinschaft gegründet .worden mit dem Ziel, der Oberrealschule einen realgymnasialen Zweig mit Latein als 1. Fremdsprache ab der l. Klasse anzugliedern. Der von der Elternschaft und auch vom Stadtrat unterstützte Antrag wurde aber in dieser Form vom Kultusministerium abgelehnt und die gegenwärtige Regelung des neusprachlichen Zweiges gefordert, in der mit Beginn der 3. Fremdsprache der Unterricht in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern auf die Anforderungen des Realgymnasiums abgestellt werden sollte. Nach anfänglichem Widerstand lenkten Stadtrat und Elternbeirat schließlich im Schuljahr 1963/64 ein, um damit neben mathematisch auch sprachlich begabten Schülern eine neue Bildungsmöglichkeit zu bieten.
Oberstudiendirektor Habersetzer erreichte im Schuljahr 1964/65 mit der Einrichtung von Übergangs- und Anschlussklassen eine wesentliche Verbesserung der bildungspolitischen Infrastruktur in unserem Raum. In diesen Klassen konnten begabte Absolventen der Real-und Berufsaufbauschulen den Weg zum Abitur beschreiten. Dies war bis zu diesem Zeitpunkt nur in Pfarrkirchen möglich. Damit konnten viele geeignete Real-und Berufsaufbauschüler der engeren und weiteren Umgebung in Deggendorf das Abitur machen. Im selben Jahr wurde auch die Oberrealschule Deggendorf laut ministerieller Bekanntmachung zur offiziellen Heimschule erklärt. Seit dieser Zeit sorgt der Freistaat Bayern als Sachaufwandsträger für die "Bereitstellung, Bewirtschaftung und Unterhaltung" der Schulanlage und des Schülerheims.
Inzwischen war auf Grund steigender Schülerzahlen die Raumnot in Schule und Heim unerträglich geworden. Überfüllte Klassen sowie Schicht- und Wechselunterricht an der Schule wurden in einem "Brandbrief" des Elternbeiratsvorsitzenden Heinrich Schlott an das Kultusministerium beklagt, und auch im Schülerheim stellte das Staatliche Landbauamt fest, dass die Schüler in derzeit kaum noch zumutbaren Schlafsälen mit über 40 Betten untergebracht sind.
Auf Druck von Schulleitung, Elternschaft und Stadtrat genehmigte das Ministerium den Ausbau der Oberrealschule. Nach verschiedenen Planungsentwürfen setzte sich der Alternativplan des Architekten Dipl. Ing. Righi durch, der einen dreistöckigen Baukörper in der heutigen Form vorsah. Am 08.06.196l stimmte der Stadtrat der Planung und der auf rund 2,3 Millionen bemessenen Finanzierung zu. Um den Neubau mit Doppelturnhalle der Schule zu errichten, musste vorher noch die alte Turnhalle aus dem Jahre 1927 abgerissen werden. Der Sportunterricht konnte regulär weitergeführt werden, da der Bundesgrenzschutz der Schule seine Sportanlagen während der Bauphase zur Verfügung stellte. Am 04.09.196l begannen die Bauarbeiten, die wegen der guten Witterung zügig voranschritten. Im März 1962 war der Rohbau des Neubaus fertig, im Juli wurden die Decken der oberen Turnhalle gegossen. Der Unterricht endete wegen der Bauarbeiten bereits am 30.06.1962. Der Neubau der Schule wurde am 12. Juli 1963 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht. Er veränderte das seit 1913 unveränderte Ensemble der Schulanlage: Der verkleinerte Pausenhof war geteert und mit Grünstreifen belebt. Ein moderner Brunnen wurde in der Mitte des Hofes errichtet.
Im Neubau selbst wurden neben Klassenzimmern auch Fachräume für Musik, Kunst, Physik, Biologie und Chemie eingerichtet. Den Abschluss des Neubaus bildeten die zwei übereinander liegenden Turnhallen, von denen die untere eine Empore besitzt, die zu Festakten genutzt werden kann. Nach Abschluss des Neubaus an der Schule begannen nach dreijähriger Planung am 19. Oktober 1966 endlich auch die Bauarbeiten für den Neubautrakt des Heims; nach zügigem Baufortschritt konnte am 14.07.1967 die Hebefeier stattfinden. Am 08.04.1969 konnte dann mit der Renovierung und dem Umbau des Heimaltbaus begonnen werden. Hier wurde die alte Jugendstilfassade von Schott ebenso entfernt wie man die alten Kastenfenster durch großflächige Fenster ersetzte. Der Philosophie der damaligen Architektur entsprechend wollte man "Luft und Licht" in die Schulräume lassen und den "alten Schul- und Heinimief" entfernen. Mit den beiden klar strukturierten Neubauten in Schule und Heim wollte der Architekt "bewusst gesetzte Kontrapunkte" zu den Schottschen Jugendstilbauten setzen. Zu Jahresbeginn 1968 konnten die Heimschüler in den neuen Erweiterungsbau einziehen, der am 09.04.1970 zusammen mit dem umgebauten Altbau offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde. Der dreistöckige Heimneubau enthielt vier Studiersäle, modern ausgestattete kleine Mehrbettzimmer, eine Kegelbahn, einen Fitnessraum u. a. für ca. 100 Heimschüler. Ein neuer Küchentrakt mit moderner Küche und Speisesaal schloss sich an; im umgebauten und renovierten Altbau wurde eine Aula für 250 Schüler und die Albertus-Magnus-Kapelle eingebaut. Als Heimleiter waren seit 1957 Heinrich Weiß und seit 1965 Karl Pielmeier im Amt. Unter ihrem strengen Regiment stöhnten ganze Schülerheim-generationen. Mit strengen Strafen, auch der Prügelstrafe, versuchte man damals Zucht und Ordnung herzustellen, was oft zu großen Konflikten führte. Daneben wurden aber im Schülerheim auch kulturelle Aufführungen mit großem Erfolg veranstaltet. Neben der Schülerheimblaskapelle unter der Leitung von Karl Pielmeier ist auch die Theatergruppe des Heims zu nennen, die unter der Leitung von StR Helmuth Schwemmer eine Reihe von erfolgreichen Stücken aufführte. Ab 1970 hatte OStR Hans Schwibach die Leitung übernommen und mit großem Einsatz versucht, das Leben im Internat für die Schüler attraktiver zu machen.
Trotz des sehr großzügig angelegten Neubaus traten schon im Schuljahr 1966/67 im Schulgebäude erneut Raumprobleme auf. Die Schülerzahl stieg pro Schuljahr um etwa 100 an und erreichte die magische Zahl von 1000. Sieben Klassen mussten in Ausweichräumen untergebracht werden, eine vom Ministerium angebotene Übergangsklasse konnte wegen Platzmangels an der Schule nicht eingerichtet werden. Da ein zweiter Neubau aus Platzgründen ausschied, entschieden sich Schulleitung, Landbauamt und Ministerium schließlich für den Umbau der Kellerräume im Altbau der Schule in Klassenzimmer. Bei verschiedenen Besichtigungen stellte sich aber heraus, dass wegen erheblicher Schäden der gesamte Altbau saniert und auch der Sportplatz neu angelegt werden musste.
Anfang Oktober 1969 wurde der alte Geröllboden des Sportplatzes entfernt und mit frostsicherem Kiesmaterial ersetzt. Darauf wurde der Rasen des Sportplatzes angelegt. Ein moderner Bitukautschukbelag wurde auf der neuen 100-Meter-Bahn aufgezogen. Ab Herbst 1970 standen die Lauf- und Sprunganlagen für den Schulsport wieder zur Verfügung. Die bisher ungenutzte Dreiecksfläche hinter der Turnhalle nutzte man als Kugelstoßanlage. Der neu entstandene Rasenplatz konnte ab Juli 1971 nach einjähriger Schonzeit bespielt werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 250.000 Mark.
Mit Schuljahresende 1970 begannen die Umbauarbeiten in den Kellerräumen des Altbaus, die ebenfalls auf 250.000 Mark veranschlagt waren. Wegen der langen Lieferzeiten für die Einrichtung der Klassenräume konn­ten diese erst ab 07.10.1970 genützt werden. Trotzdem konnte durch die fünf neuen Klasszimmer und die Belegung zweier Studiersäle im Heim der befürchtete Schichtunterricht vermieden werden. Erst durch die Gründung des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf Anfang der 70er Jahre entschärfte sich die Raumnot an der Oberrealschule.
Wesentlich schwieriger gestaltete sich für die Unterrichtsorganisation die Sanierung des Altbaus, die auf ca. 200.000 Mark veranschlagt war. Da die Bauarbeiten im April 1974, also fast mitten im Schuljahr begannen, mussten die "Altbauklassen" zwangsläufig außerhalb des Schulgebäudes untergebracht werden. Direktor Habersetzer und seinem Stellvertreter StD Kaiser gelang es, einige Klassen in der "alten" Berufsschule (heutige FOS) unterzubringen. Durch den Umzug der Berufsschule ins neue Schulzentrum an der Egger Straße waren Räume frei geworden. Die anderen Klassen wurden in der "Knabenschule" in der Rosengasse untergebracht, wo unter der Leitung von StD Kaiser ein geregelter Schulbetrieb eingerichtet wurde. So konnten am Altbau das Dach saniert, die Klassenzimmer neu ausgestattet und Jugendstilfassade neu gestrichen werden, die seit 1974 unter Denkmalschutz steht. Damit wurden nach dreizehnjähriger Bauzeit in Schule und Heim die räumlichen Voraussetzungen geschaffen, die das Aussehen der Schule bis heute wesentlich prägen.

Aus der Oberrealschule wird das Comenius-Gymnasium

Am 01.08.1965 wurde die Oberrealschule in ein Gymnasium umbenannt. Damit änderte sich zunächst nur die Zählweise der Jahrgangsstufen. Diese wurden nun von der Grundschule an bis zum Abschlussjahr des Gymnasiums, also von der 1. bis zur 13. Klasse, durchgezählt. Die offizielle Bezeichnung "Gymnasium Deggendorf" war für die Schulleitung recht nichtssagend; deshalb suchte man einen "Patron" für das neu ernannte Gymnasium. Nachdem der ursprünglich beantragte Namensvorschlag "Aventinus-Gymnasium" vom Ministerium abgelehnt worden war, präsentierte Direktor Habersetzer am 15.01.1971 in einer festlichen Veranstaltung den aus dem heutigen Tschechien stammenden Pädagogen Jan Amos Comenius (1592-1670) als Namensgeber für das Gymnasium Deggendorf I.

Jan Amos Comenius(1592-1670)

Man war in Zugzwang geraten, da das benachbarte neue Gymnasium Deggendorf II mit dem Naturwissenschaftler und Mediziner Robert Koch bereits einen aktuellen Namensgeber hatte. Direktor Habersetzer charakterisiert den tschechischen Reformpädagogen als einen Weltverbesserer, der "stets darüber nachdachte, wie man die Welt besser machen könnte". Die Tatsache, dass zur damaligen Zeit eine wahre Comenius-Renaissance unter den Pädagogen herrschte, ausgelöst durch die Veröffentlichung unbekannter Schriften von Comenius, und seine geografische Nähe erklären unter anderem die Wahl dieses Namens.
Nach den Studentenunruhen Ende der 60er Jahre und der folgenden kontroversen Diskussion um notwendige Bildungsreformen kam es zu den Reformmaßnahmen der 70er Jahre.
Dazu zählte auch die Oberstufenreform. Nachdem diesbezügliche Schulversuche an mehreren bayerischen Gymnasien, unter anderem auch am Comenius-Gymnasium, erfolgreich abgeschlossen worden waren, wurde mit Zustimmung des Elternbeirats und des Lehrerrats die Kollegstufe bereits zum Schuljahr 1975/76 eingeführt. Damit wurden ab der 12. Jahrgangsstufe die herkömmlichen Klassenverbände aufgelöst; an ihre Stelle trat ein Kurssystem aus Leistungs- und Grundkursen, aus dem jeder Kollegial sich sein individuelles Kursprogramm mit gewissen Einschränkungen auswählen konnte. Ebenso konnten sich die Kollegialen mit der Belegung der Leistungskurse und der entsprechenden Grundkurse die vier Abiturfächer individuell aussuchen. Das traditionelle Notensystem von Note l bis Note 6 wurde durch ein 15-Punkte-System ersetzt, das eine differenziertere Leistungsbewertung ermöglichen sollte. Anstelle der jeweiligen Klassenleiter beraten nun die beiden Kollegstufenbetreuer die Kollegialen der K 12 und K 13. Die Einführung der Kollegstufe gab damit den Oberstufenschülern die Möglichkeil, sich ihren Ausbildungsweg zu einem großen Teil selbsl zu gestalten. Dies sollte die Schüler zu mehr Mitbestimmung und auch zu mehr Selbstveranlwortung erziehen. Vor allem bei Schülern wurde die neue Form der Oberslufe sehr positiv aufgenommen.
Einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung des Comenius-Gymnasiums selzte das Kultusministerium, als es mit Wirkung vom 31.01.1974 an der Schule ein Pädagogisches Seminar für die Fächer Biologie und Chemie einrichtete. Damit hatte die Schule den Auftrag erhalten, an der pädagogischen Ausbildung des Lehrernachwuchses mitzuwirken. Das Seminar sollte die Referendare fachlich, methodisch und pädagogisch fördern, damit sie zu "selbständiger und erfolgreicher Lehrtätigkeit befähigt sind". Dabei erfolgte die Ernennung zur Seminarschule zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Wegen der Renovierung des Altbaus waren 14 Klassen in die alte Berufsschule bzw. an die Knabenschule evakuiert worden, ebenso fehlte es an adäquaten Räumlichkeiten und Ausstattung für die Fächer Biologie und Chemie. Trotzdem wurde bereits 1975 das Seminar für Sport und Mathematik hinzugefügt. Es folgten in den nächsten Jahren das Seminar für Englisch und Erdkunde und seit 1996 das Seminar für Deutsch und Geschichte. Höhepunkt und gleichsam Abschluss der "Ära Habersetzer" bildete der Festakt zum 75jährigen Bestehen der Schule am 20. Juni 1975. Vor zahlreichen Festgästen zeichnete der Schulleiter die geschichtliche Entwicklung der Schule nach, die maßgeblich dazu beigetragen habe, dass Deggendorf zu einer Schulstadt sich entwickelt habe. Die Geschichte habe zudem gezeigt, dass auch in schwierigen Zeiten die Schule stets ein Bildungsinstitut gewesen sei, das seinen Absolventen geholfen habe, das Leben zu meistern. Grußworte überbrachten Landrat Walter Fritsch (Absolvia 1938), Bürgermeister Max Thoma, der Elternbeiratsvorsitzende Karl Dickert und Schülersprecher Karl-Heinz Häring. Erinnerungen aus "alter" Zeit ließ der "Nestor" der Ehemaligen Karl Nestler (Absolvia 1912) aufleben. Josef Kaiser und Heinrich Wastl hatten zu diesem Jubiläum eine viel beachtete Dokumentation von alten Bildern und Zeitungsberichten erstellt. Drei Festkonzerte mit Beteiligung ehemaliger und derzeitiger Schüler gaben dem Jubiläum einen würdigen musikalischen Rahmen.
Am 31.07.1975 wurde Oberstudiendirektor Walther Habersetzer in den Ruhestand versetzt. Es folgte ihm Studiendirektor Alois Renner aus Straubing. Er führte den Ausbau und die Erweiterung der Schule zügig weiter.

Die Entwicklung der Schule zu einem der größten Gymnasien Niederbayerns

Da am Comenius-Gymnasium über lange Jahre hinweg hervorragende sportliche Leistungen, vor allem in der Leichtathletik, erzielt wurden, errichtete man im Schul­jahr 1985/86 den Modellversuch einer Leichtathletik-Stützpunktschule. In Zusammenarbeit mit der Schulleitung, dem Kultusministerium, dem Bayerischen Leichtathletikverband und dem örtlichen Verein (TSV Deggendorf) sollte im Rahmen des Sportunterrichtes und außerschulischer Trainingslager eine intensive Talentförderung erfolgen. Die Schule übernimmt die Aufgabe, Talente zu erfassen und Mannschaften für die Schul­sportwettkämpfe aufzustellen, um diese im Wettkampf zu erproben und einzelne Talente nach freiem Willen den Vereinen zuzuführen. Die Schule bot wegen der guten Sportausstattung und vor allem wegen der Möglichkeit der Heimunterbringung beste Voraussetzungen. So endete das Probejahr 1985/86 für die Stützpunktschule mit überragenden Erfolgen. In vier von acht Wettkampfklassen gelang der Einzug ins Bayerische Landesfinale. Seitdem erbringen die Sportlerinnen und Sportler am Comenius-Gymnasium Jahr für Jahr hervorragende sportliche Erfolge, und Siege im Landes-, ja sogar im Bundesfinale in Berlin, sind keine Seltenheit. 1993 würdigte Kultusminister Hans Zehetmair das Engagement des Schulleiters durch die Aushändigung der Medaille für Verdienste um den Schulsport in Gold und der Ehrennadel.
Zielstrebig erweiterte er das Angebot an modernen Fremdsprachen. Neben den Pflichtfächern Englisch und Französisch führte er als Wahlfach Italienisch, Spanisch und Russisch ein. Damit die Schüler andere Länder, Menschen und Gebräuche kennenlernen und dabei die in der Schule erlernten Sprachen anwenden können, knüpfte er mit Schulen in Neusiedl in Österreich, mit Schulen in Frankreich, Schottland, USA, Italien und Russland Partnerschaften, die das Zusammenwachsen der Jugend zu einer Völkergemeinschaft fördern sollen. OStD Renner förderte auch mit großem Nachdruck die Zusammenarbeit von Schule und Berufswelt. Bei den jährlichen berufskundlichen Informationsveranstaltungen holte er Fachleute aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft im Rahmen von Symposien und Podiumsdiskussionen an die Schule. Ebenso richtete er das Wahlfach Informatik ein und schuf mit dem Computerraum mit 19 vernetzten Rechnern die räumlichen und technischen Voraussetzungen. Seit 1995 besitzt die Schule einen ISDN-Anschluss und damit die Möglichkeit, via Internet auf alle Datenbanken weltweit Zugriff zu haben, und eine eigene Homepage. Direktor Renner lag sehr daran, den Schülern ein vielfältiges Angebot an Wahlfächern, vor allem im sportlichen und musischen Bereich anzubieten. Vom Instrumentalunterricht, über Tanz, Eishockey, Leichtathletik, Fußball, bis zum biologischen Arbeitskreis oder dem Wahlfach "Politik und Zeitgeschichte" u. v. m. reicht die Palette. Darin sah der Schulleiter einen wesentlichen präventiven Beitrag der Schule, Heranwachsende von den Gefahren der modernen Gesellschaft fernzuhalten. Im Schuljahr 1987/88 wurde eine schulpsychologische Beratungsstelle eingerichtet (Richard Erl), die für das Comenius-Gymnasium und die umhegenden Schulen zu einer festen und oft in Anspruch genommenen Einrichtung geworden ist.
Mit der Errichtung eines Tagesheims 1978/79 folgte OStD Renner dem verstärkten Wunsch der Elternschaft, dass die Kinder auch am Nachmittag eine sinnvolle Hausaufgabenbetreuung durch qualifizierte Lehrkräfte der Schule erhalten. Besuchten 1975 noch 943 Schüler die Schule, so steigerte sich diese Zahl in den 21 Jahren der "Ära Renner" auf 1278 Schüler. Die steigenden Schülerzahlen führten zu erheblichen Raumproblemen, vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern und im Sportunterricht. Die Schule musste dringend erweitert werden. Seit dem Schuljahr 1979/80 lag die ministerielle Zustimmung vor, aber wegen Planungsschwierigkeiten und schleppender Finanzierung konnte mit dem Erweiterungsbau an der Ostseite der Schule erst im Schuljahr 1991/92 begonnen werden. Gleich nach Amtsantritt von OStD Renner wurde der Umbau der ehemaligen Schulleiterwohnung in eine funktionale Zentralbibliothek durchgeführt. 1986 folgte ein Schulgarten mit Schulteich, der leider ein paar Jahre später dem Erweiterungsbau zum Opfer fallen musste. In der Zwischenzeit nahmen die Planungen von Diplomingenieur Gollwitzer und Architekt Knörich für einen Erweiterungsbau, eine Pausenhalle und einer Doppelturnhalle allmählich konkrete Formen an. In einem ersten Bauabschnitt wurde 1988 unter der Leitung der beiden Architekten die Pausenhalle in Angriff genommen. Sie sollte den beengten Eingangsbereich der Schule erweitern und gleichzeitig als Foyer und Aula dienen. Am 7.5.1991 fand die feierliche Einweihung statt. In Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Hochbauamt und dem Architekturbüro Gollwitzer wurde schließlich im September 1991 mit den Bauarbeiten für den Erweiterungsbau begonnen. Der viergeschossige Bau enthielt einen Lichthof mit Glaskuppel, mehrere Lehr- und Fachräume, vor allem für Physik, Chemie, einen Informatikraum mit 19 Rechnern und adäquater Ausstattung, einen Musik- und einen Zeichensaal, einen Fitnessraum (Kraftraum) und einen Fremdsprachenraum. Auf Grund von Sparmaßnahmen des Trägers kam es immer wieder zu Verzögerungen, so dass erst im Schuljahr 1993/94 die Baumaßnahme im Erweiterungsbau abgeschlossen werden konnte. Im letzten Jahr seiner Amtsperiode wurde in einem dritten Bauabschnitt noch der Schulvorplatz mit Parkplätzen neu gestaltet. Das Lehrerzimmer konnte erweitert und mit einer Küche und neuem Mobiliar eingerichtet und das Sekretariat und die Verwaltungsräume modernisiert werden.
Zum Schuljahresende 1995/96 gingen OStD Alois Renner und sein Stellvertreter StD Heinrich Wastl in den Ruhestand. Zu Nachfolgern wurden StD Toni Daumerlang vom Gymnasium Pocking und StD Walter Wolf als Stellvertreter ernannt.

Der neuen Schulleitung gelang es in kurzer Zeit, die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen in den Griff zu bekommen.
Als Erstes wurden die noch vom Vorgänger initiierten Bau- und Renovierungsmaßnahmen abgeschlossen. Dazu gehörten: Die Generalsanierung der alten Doppelturnhalle, die neue Ausstattung des Biologie-Fachtraktes, die Renovierung des Schulturmes mit einer Satelliten- und Funkstation sowie einem Fotolabor und die Neugestaltung des Pausenhofes mit Begrünung. Am 29.5.1998 konnte der dritte Bauabschnitt mit einer feierlichen Einweihung beendet werden. Der nach modernen Gesichtspunkten umgestaltete Pausenhof bildete den Abschluss einer 10-jährigen Bauphase, für die der Freistaat annähernd 11 Millionen Mark investierte .
Die stetig zunehmende Schülerzahl erreichte im Schuljahr 1998/99 mit über 1300 Schülern ihren Höhepunkt. Dies erforderte großes organisatorisches Geschick, um das Raumproblem zu lösen. Indem man Internatsräume zu Unterrichtszimmern umfunktionierte und selbst kleinste Zimmer als Kollegstufenräume nutzte, konnte eine geplante Aussiedlung von Klassen vermieden werden. Trotzdem mussten vor allem im Fach Sport viele Klassen in auswärtigen Hallen unterrichtet werden, was sowohl für die Sportlehrer als auch für die Schüler strapaziös und sehr zeitaufwendig war. Durch geringfügige gezielte Rückführung der Schülerzahlen konnte erreicht werden, dass sich die Raumnot etwas entspannte.
Im November 2005 wurde die neue Dreifachturnhalle in Betrieb genommen werden. Sie wurde als Gemeinschaftsprojekt der Schule und der Stadt Deggendorf mit einem Kostenaufwand von ca. 5,1 Millionen Euro errichtet. Ebenso legte man den Rasensportplatz mit eingebauter Beregnungsanlage völlig neu an. Diese Maßnahmen trugen zu einer wesentlichen Erleichterung des Sportunterrichts bei.
Alle Klassenzimmer und teils auch Fachräume wurden unter der engagierten Leitung von OStRin Dr. Fink-Erl zusammen mit den Schülern renoviert und individuell gestaltet.
Die im Schuljahr 2003/04 eingeführte verkürzte Schulzeit (G8) und neue pädagogische Herausforderungen veranlassten die Schule, den Bereich der Schulentwicklung weiter zu intensivieren. So war das Comenius-Gymnasium im "Regionalen Netzwerk innovativer Schulen" (RENIS) integriert und hat sich wiederholt am i.s.i.-Wettbewerb ("Innere Schulentwicklung Innovationspreis") erfolgreich beteiligt.

Seit Beginn des Schuljahres 2006/07 lenkte zum ersten Mal in der Geschichte des Comenius-Gymnasiums eine Frau die Geschicke der Schule: Hannelore Alt übernahm im Herbst 2006 das Amt der Schulleiterin von ihrem Vorgänger OStD Toni Daumerlang. Ihre ersten Wochen an der Schule waren begleitet von intensiven Bautätigkeiten, denn die Sanierung des Altbaus des Internats und der Neubau des Speisesaals liefen gerade auf Hochtouren. Im März 2007 ging der lang ersehnte Umzug des Internats in die neu sanierten Zimmer des Altbaus über die Bühne, es folgten der Umzug der Küche und die Inbetriebnahme des modernen, neuen Speisesaals. Anschließend ging es an die Sanierung des ehemaligen Neubaus des Internats. Im Juli 2009 feierte die Schulfamilie mit Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber, Landrat Christian Bernreiter und Vertretern des Bauamts die Fertigstellung des fünften Bauabschnitts. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 6,8 Millionen Euro.
Weiterhin gibt es seit dem Schuljahr 2009/10 Modellklassen für Hochbegabte am Comenius-Gymnasium. In ihre Amtszeit fallen die Einrichtung der Streicherklasse und der Sportklasse, die campusartige Ausgestaltung des Jahnhügels, der zudem verkehrsberuhigt geworden ist und die Planung des sechste Bauabschnitts (Erweiterungsbau und Sanierung des Altbaus).

Weitere Schwerpunkte der Schulentwicklung an unserer Schule sind die Ausweitung offener und freier Unterrichtsformen, die intensive Präventionsarbeit in den Klassen 5 bis 10, der systematische Ausbau des Methodentrainings, die Optimierung des Nachhilfeunterrichts durch das Projekt "Groß hilft Klein", und die Schulvereinbarung, die dazu beiträgt, dass das Zusammenleben innerhalb der Schulgemeinschaft auf eine harmonische Basis gestellt wird.
Die Arbeitsgemeinschaft "Evaluation", die Planungsgruppe der Schule und die Sozial-AG koordinieren bzw. ergänzen die vielen Maßnahmen und Projekte der Schulentwicklung.

(Die Chronik wurde verfasst von StD Alois Zacher und wird fortgeschrieben von OStRin Nicole Dressler)